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Nichtgewerblicher Flugbetrieb mit anderen als technisch komplizierten motorgetriebenen Luftfahrzeugen

Die Zuständigkeiten sowie auch die anzuwendenden Verfahren der europäischen Verordnung 965/2012 zum Flugbetrieb bestimmen sich nach dem Zweck des Flugbetriebs, also ob die Tätigkeit gewerblich oder nicht-gewerblich ist und der Art der eingesetzten Luftfahrzeuge.

Der Teil NCO findet sich im Anhang VII zur europäischen Verordnung 965/2012 zum Flugbetrieb und richtet sich an Betreibende, die nichtgewerblichen Flugbetrieb mit anderen als technisch komplizierten motorgetriebenen Luftfahrzeugen durchführen. Für Segelflugzeuge und Ballone gilt dieser Teil ausdrücklich nicht und bestimmt sich nach der Verordnung (EU) 2018/1976 Sailplanes Air Operation und der Verordnung (EU) 2018/395 Balloons Air Operation.

Die Festlegung, ob der Flugbetrieb gewerblich oder nichtgewerblich ist, wird anhand der EASA Grundverordnung (EU) 2018/1139 getroffen. Eine Tätigkeit ist demnach gewerblich, wenn der Betrieb eines Luftfahrzeugs gegen Entgelt oder sonstige geldwerte Gegenleistungen stattfindet und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht oder, wenn er nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, im Rahmen eines Vertrags zwischen einem/einer Betreiber*in und einem/einer Kund*in erbracht wird. Weitere Informationen für Sie als Pilot*in finden Sie auch in unserem Leitfaden Fliegen gegen Entgelt (pdf, 465.1 KB).

Als komplex gilt ein Flugzeug:

  • mit einer maximalen Startmasse von mehr als 5.700 kg, oder
  • mit einer Kabinenkonfiguration für mehr als 19 Passagiere, oder
  • der Betrieb erfordert mindestens zwei Pilot*innen, oder
  • ausgerüstet mit einer oder mehreren Strahlturbinen oder mit mehr als einem Turboprop-Triebwerk.

Als komplex gilt ein Hubschrauber:

  • mit einer maximalen Startmasse von mehr als 3.175 kg, oder
  • mit einer Kabinenkonfiguration für mehr als 9 Passagiere, oder
  • der Betrieb erfordert mindestens zwei Pilot*innen.

Der/Die typische Privatpilot*in von Motorflugzeugen und Hubschraubern bewegt sich also hauptsächlich in genau diesem Anwendungsbereich der Verordnung (EU) 965/2012 Air Operations. Deshalb möchten wir nachfolgend einige betriebliche Bestimmungen des Teils NCO näher beleuchten. Es empfiehlt sich, die folgenden Abschnitte im Original nachzulesen sowie die dazugehörigen AMCs und das Guidance Material zu beachten. Wenn die AMCs beachtet werden, handeln Sie konform im Sinne der Verordnung. Das Guidance Material erklärt oft darüber hinaus, was zu beachten ist und oft den tieferen Sinn einer Vorgabe. Um die Sache etwas übersichtlicher zu gestalten, hat die EASA das Format der Easy Access Rules eingeführt. Hier finden Sie zu jeder Ziffer der Verordnung die dazugehörigen AMCs und das Guidance Material. Easy Access Rules Air Operations
 

Bitte beachten Sie, dass während folgender Uhrzeiten Übungsflüge und Überprüfungsflüge am Flughafen Bremen (EDDW) verboten sind:

  • grundsätzlich in der Zeit von 22.30 Uhr bis 6.30 Uhr Ortszeit,
  • für Hubschrauber zusätzlich von 18.00 Uhr bis 22.30 Uhr Ortszeit.

Zu Übungs- und Überprüfungszwecken unmittelbar aufeinanderfolgende wiederholte An- und Abflüge desselben Luftfahrzeuges sind außerdem zu folgenden Zeiten Anflüge verboten:

  • Montag bis Freitag 21.00 Uhr bis 22.30 Uhr Ortszeit,
  • Samstag 13.00 Uhr bis Montag 6.30 Uhr Ortszeit.

Bitte beachten Sie auch die zusätzlichen Flugbeschränkungen für Flugzeuge bis 2000 kg und Motorsegler für den nicht-gewerblichen zivilen Flugbetrieb zum Zwecke von

  • Platzrundenflügen,
  • Schulflügen (mit Ausnahme von Überlandschulflügen und anderen Schulflügen, die über die Umgebung des Flughafens Bremen hinausgehen und länger als eine Stunde dauern),
  • Rund- und Besichtigungsflügen,
  • erlaubnispflichtigen Reklameflügen und
  • Flugzeugschleppstarts.

Für diese Flüge ist der Flugbetrieb am Flughafen Bremen verboten:

  • werktags vor 7.00 Uhr Ortszeit, zwischen 13.00 Uhr Ortszeit und 15.00 Uhr Ortszeit und nach Sonnenuntergang,
  • Sonn- und Feiertags vor 9.00 Uhr Ortszeit und nach 13.00 Uhr Ortszeit.

Den genauen Wortlaut finden Sie in der AIP-IFR und in der Flughafengenehmigung (pdf, 53.6 KB).
 

Sog. Low Approaches (tiefe Überflüge) sind Anflüge, bei denen im Gegensatz zum Touch and Go nicht auf der Landebahn aufgesetzt wird sondern der Anflug „geplant“ abgebrochen und die Landebahn in niedriger Höhe in Reisekonfiguration überflogen wird. Sie werden oft als ergänzende Flugverfahren genutzt, um An- und Abflugverfahren sowie Durchstartverfahren innerhalb der Ausbildung mit Fluglehrenden zu üben. Doch bitte beachten Sie, dass Ihr FI/FE, wenn der Flug im Rahmen einer ATO/DTO stattfindet für solche Low Approaches eine Erlaubnis gemäß § 37 Luftverkehrs-Ordnung der zuständigen Landesluftfahrtbehörde zum Unterschreiten der Mindesthöhe nach SERA (Durchführungsverordnung (EU) Nr. 923/2012) besitzt und diese Flüge somit durchführen darf.

Nach SERA.5005 f) darf von der Sicherheitsmindesthöhe nur abgewichen werden, wenn dies für Start und Landung notwendig ist oder von der zuständigen Behörde genehmigt wurde. Bei Low Approaches liegt diese „Landeabsicht“ nach herrschender Meinung nicht vor und es wird folglich eine Genehmigung benötigt. Zuständig ist die Landesluftfahrtbehörde im Bundesland, in dem sich der Flugplatz befindet.

Die Luftfahrtbehörde Bremen sieht es aus Safety Aspekten als sinnvoll an, auch außerhalb der Ausbildung und ohne FI/FE, Anflüge an größeren Flughäfen innerhalb einer Kontrollzone zu üben, ohne Landegebühren bezahlen zu müssen. Deshalb gilt für den Flughafen Bremen (EDDW): Führen Sie Ihre Übungsanflüge (Trainingsapproaches) in einer Landekonfiguration mit der entsprechenden Anflug-Geschwindigkeit durch. Nur dann kann eine „Landeabsicht“ angenommen werden. Dieses Verfahren gilt nur für Übungsanflüge auf den Flughafen Bremen. Bitte fragen Sie in anderen Bundesländern die örtlich zuständige Landesluftfahrtbehörde, wie die Verfahren auf den Flugplätzen sind.

Bitte beachten Sie am Flughafen Bremen (EDDW) die Flugbeschränkungszeiten, in denen Übungsflüge und Überprüfungsflüge sowie der nicht-gewerbliche zivile Flugbetrieb von Flugzeugen bis zu 2000 Kilogramm Höchstgewicht und Motorseglern für bestimmte Flüge verboten sind.
 

Kein Luftfahrzeug darf mit Avgas (Flugbenzin) oder einem Kraftstoff mit breitem Siedepunktbereich (Wide Cut Fuel) oder einem Gemisch dieser Kraftstoffarten betankt werden, wenn Fluggäste einsteigen, sich an Bord befinden oder aussteigen.

Bei allen anderen Kraftstoffarten darf das Luftfahrzeug nicht betankt werden, während Fluggäste einsteigen, sich an Bord befinden oder aussteigen, sofern der/die verantwortliche Pilot*in oder anderweitig geschultes Personal nicht bereitsteht, um eine Evakuierung des Luftfahrzeugs zweckmäßig und zügig mit den zur Verfügung stehenden Mitteln einzuleiten und zu lenken.

Informationen zu zulässigen Kraftstoffarten Ihres Luftfahrzeugs finden Sie im jeweiligen Flugbetriebshandbuch. Generelle Informationen zu Kraftstoffarten finden Sie auf den Internetseiten der Kraftstofflieferanten.

Den genauen Wortlaut finden Sie unter Ziffer: NCO.OP.145 der Verordnung (EU) 965/2012 Air Operations.
 

Ein Flug unter VFR darf mit Flugzeugen nur durchgeführt werden, wenn ausreichende Mengen an Kraftstoff und Öl für Folgendes mitgeführt werden:

  • für Platzrundenflüge bzw. Flüge bei denen der Flugplatz immer in Sichtweite ist, um die geplante Strecke zu fliegen und danach noch mindestens 10 Minuten auf normaler Reiseflughöhe weiterfliegen zu können,
  • um am Tag zum Flugplatz der vorgesehenen Landung fliegen und danach noch mindestens 30 Minuten auf normaler Reiseflughöhe weiterfliegen zu können, oder
  • um bei Nacht zum Flugplatz der vorgesehenen Landung fliegen und danach noch mindestens 45 Minuten auf normaler Reiseflughöhe weiterfliegen zu können.

Bei der Berechnung der erforderlichen Mengen sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:

  • die vorhergesagten Wetterbedingungen für die geplante Strecke,
  • voraussichtliche ATC-Streckenführungen (z. B. Einflug in Kontrollzonen über Pflichtmeldepunkte) und Verkehrsverspätungen,
  • Verfahren bei Druckverlust oder Ausfall eines Triebwerks auf der Strecke, soweit zutreffend und
  • sonstige Bedingungen, die die Landung des Flugzeugs verzögern oder den Betriebsstoffverbrauch erhöhen können.

Bitte beachten Sie diese Punkte auch bei einer Änderung des Bestimmungsflugplatzes im Flug.

Den genauen Wortlaut finden Sie unter Ziffer: NCO.OP.125 der Verordnung (EU) 965/2012 Air Operations.
 

Auch wenn Sie nur einen kurzen Platzrundenflug durchführen, müssen mitgenommene Fluggäste (in der Regel alle sich sonst noch an Bord befindlichen Personen) Kenntnis darüber haben, was im Notfall zu tun ist und wo sich die entsprechenden Rettungsmittel befinden. Deshalb bietet sich eine kurze Unterweisung vor Beginn des Motorstarts an. Insbesondere sollten
 

  • die Funktion der Gurte,
  • die Lage und das Öffnen der Ausgänge und
  • die Position der Notfallausrüstung (z. B. Feuerlöscher, Verbandskasten, Gurtschneider etc.)

erläutert werden.

Falls erforderlich, sollte auch die Lage und Funktion von zusätzlicher Ausrüstung, wie beispielsweise Rettungswesten, Rettungsboot, Sauerstoff etc. erläutert werden.

Den genauen Wortlaut finden Sie unter Ziffer: NCO.OP.130 der Verordnung (EU) 965/2012 Air Operations.
 

Auf jedem Flug sind Dokumente im Original oder als Kopie mitzuführen. Die Dokumente, die nicht als Original mitgenommen werden müssen, können auch elektronisch mitgeführt werden. Dabei unterscheiden wir zwischen Dokumenten, die wichtig für die Flugdurchführung sind und Dokumenten, die wichtig für die Aufsichtstätigkeit der Luftfahrtbehörden sind.
 

Die folgenden Dokumente sind wichtig für den Flug und müssen immer mitgenommen werden:

  • Flughandbuch (AFM) oder gleichwertige Dokumente, die für den Betrieb des Luftfahrzeugs benötigt werden,
  • Flugplan, soweit zutreffend,
  • aktuelle und zweckdienliche Luftfahrtkarten,
  • Informationen über Verfahren und optische Signale zur Verwendung
    durch abfangende und abgefangene Luftfahrzeuge,
  • die MEL oder CDL, soweit zutreffend, und
  • sonstige Unterlagen, die zum Flug gehören oder von den Staaten, die vom Flug betroffen sind, verlangt werden.

Die folgenden Dokumente sind wichtig für die Aufsicht und müssen nur bei Überlandflügen mitgenommen werden. Starten und Landen Sie auf demselben Flugplatz/an demselben Einsatzort können Sie diese Dokumente am Flugplatz / Einsatzort zurücklassen:

  • Original des Eintragungsscheins,
  • Original des Lufttüchtigkeitszeugnisses Certificate Of Airworthiness),
  • Lärmzeugnis, soweit zutreffend,
  • Verzeichnis der Sondergenehmigungen, soweit zutreffend,
  • Lizenz zum Betreiben einer Flugfunkstelle, soweit zutreffend,
  • Haftpflichtversicherungsschein,
  • Bordbuch oder ein gleichwertiges Dokument.

Den genauen Wortlaut finden Sie unter Ziffer: NCO.GEN.135 der Verordnung (EU) 965/2012 Air Operations.