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Betrieb in der Kategorie speziell

Seit 31. Dezember 2020 gelten die neuen europäischen Betriebsvorschriften für unbemannte Luftfahrzeuge europaweit. Die Vorgaben für den Betrieb von Drohnen in der speziellen Kategorie gemäß Artikel 5 finden Sie in der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947. Die genauen Bestimmungen finden sich in Teil B des Anhanges.

Die technischen Anforderungen an die Drohne und die Zuordnung der verschiedenen C-Klassen (C0 bis C6) finden Sie in der Verordnung (EU) 2019/945. Beachten Sie hierzu unsere allgemeinen Hinweise zum Umgang mit EU-Vorschriften. Nachfolgend finden Sie Informationen zur Betriebskategorie speziell.

Die EASA hat zum Betrieb in der speziellen Betriebskategorie ein kurzes Webinar veranstaltet:

Video: Webinar der EASA zur Betriebskategorie speziell

In der speziellen Kategorie ist entweder eine Betriebsgenehmigung erforderlich oder die Abgabe einer Erklärung (sogenannte Declarations). Erklärungen können nur für Standardszenarien (STS) abgegeben werden. Standardszenarien stellen spezielle Betriebsarten mit vorgefertigten Risikobewertungen dar, die zur Zeit jedoch ausschließlich mit Drohnen genutzt werden können, die eine C-Klassenmarkierung aufweisen. Die verfügbaren Standardszenarien finden Sie in der Anlage 1 zur Durchführungsverordnung (EU) 2019/947. Jedoch werden diese Standardszenarien erst ab 2. Dezember 2023 anwendbar sein und Sie können dementsprechend erst ab diesem Zeitpunkt eine Erklärung abgeben. Alternativ können auch predefined risk assessments (PDRA) genutzt werden, die zum Teil auf die bereits veröffentlichten Standardszenarien basieren und den Prozess der Antragsstellung vereinfachen, da Sie kein SORA erstellen müssen.

Diese Kategorie richtet sich an (semi-)professionelle Nutzer:innen, die beispielsweise Agrarflüge, Vermessungsflüge, Inspektionsflüge, BVLOS-Betrieb oder Betrieb über Menschenansammlungen oder Einsätze im urbanen Raum durchführen und die Betriebsbedingungen der Offenen Betriebskategorie nicht einhalten können.

Generell werden umfangreiche Risikobewertungen gemäß Artikel 11 der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 und Betriebskonzepte durch die Betreiber:innen anzufertigen sein. Vorgaben und Hinweise, wie diese Risikobewertungen zu erstellen sind und was ein Betriebskonzept (englisch ConOPS) beinhalten sollte, finden Sie in den AMCs und in dem GM zu Artikel 11. Um die Sache etwas übersichtlicher zu gestalten, hat die EASA das Format der Easy Access Rules eingeführt, welche Sie auf der Internetseite der EASA herunterladen können.

Die Landesluftfahrtbehörden sind zuständig für die Erteilung der Betriebsgenehmigungen gemäß Artikel 12 der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 für die Kategorie „speziell“. Falls Sie einen Betrieb im Bundesland Bremen (die Städte Bremen und Bremerhaven) in der speziellen Kategorie planen, setzen Sie sich bitte frühzeitig mit uns in Verbindung. Die Ansprechpersonen und Kontaktdaten finden Sie oben rechts auf dieser Internetseite. Sie sollten sich im Vorfeld bereits ausführlich mit dem Prozess der Risikobewertungen gemäß Artikel 11 der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 auseinandergesetzt haben und idealerweise bereits über ein umfangreiches Betriebskonzept verfügen.

Die Luftfahrtbehörden der Länder Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt haben für eine Betriebsgenehmigung in der speziellen Kategorie ein gemeinsames Antragsformular (pdf, 1.5 MB) entworfen.

Die Kompetenzanforderungen für Fernpilot:innen werden von der zuständigen Behörde in der erteilten Betriebsgenehmigung (individuell) vorgegeben oder sind in den verfügbaren Standardszenarien bereits festgelegt. Spezielle Schulungen für die Standardszenarien werden dann von, vom Luftfahrt-Bundesamt zugelassenen, Prüfstellen für Fernpilot:innen (PStF) angeboten.

Die Erklärungen (sogenannte Declarations) für die Standardszenarien (STS) werden vom Luftfahrt-Bundesamt entgegengenommen. Bei Fragen zu den Standardszenarien wenden Sie sich bitte an:

Luftfahrt-Bundesamt

Referat B5 - Unbemannte Luftfahrtsysteme

Luftfahrt-Bundesamt
Referat B5
38144 Braunschweig

Betreiberzeugnis für Leicht-UAS (LUC)

Für juristische Personen (z. B. eine GmbH) ist es möglich, ein Betreiberzeugnis (sogenanntes LUC) zu beantragen. Damit können Betreiber:innen Drohnenflüge innerhalb der speziellen Kategorie durchführen, ohne eine vorherige Erlaubnis bei der Behörde beantragen zu müssen. Die Betreiber:innen unterliegen einem Aufsichtsprogramm und müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllen. So muss beispielsweise ein umfangreiches Managementsystem vorhanden sein. Um ein Betreiberzeugnis zu beantragen oder um Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an:

Luftfahrt-Bundesamt

Referat B5 - Unbemannte Luftfahrtsysteme

Luftfahrt-Bundesamt
Referat B5
38144 Braunschweig

Einzelheiten über das Betreiberzeugnis für Leicht-UAS finden Sie außerdem in Teil C der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947.
 

Hinweise zur Betriebsgenehmigung

Sie werden ein ausführliches Betriebskonzept erstellen müssen und Sie sollten den Ablauf der Risikobewertung gem. Artikel 11 Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 umfassend verstehen. Im Formular-Bereich finden Sie ein entsprechendes Antragsformular für den Betrieb in der speziellen Kategorie. Bitte klären Sie vorher, ob der geplante Betrieb

  • in die offene Kategorie fällt,
  • in die zulassungspflichtige Kategorie fällt,
  • durch ein Standardszenario abgedeckt ist und Sie somit eine Erklärung abgeben können (Achtung! Erst ab 2. Dezember 2023 möglich) oder
  • durch ein predefined risk assessment (PDRA) abgedeckt ist und somit nur ein eingeschränkter SORA-Prozess nötig ist.

Kontaktieren Sie uns bitte frühzeitig und lesen Sie sich vorher unbedingt in den Artikel 11 der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 und die dazugehörigen AMCs und das GM ein.

Nachfolgend finden Sie Informationen, die bei Antragsstellung bzw. im Genehmigungsprozess beachtet werden sollten. Um Unklarheiten zu vermeiden, werden größtenteils englische Begriffe verwendet, da die AMCs und das GM nur auf englisch verfügbar sind.

Antragsformulare richtig öffnen

Bitte öffnen Sie unsere PDF-Antragsformulare am besten mit dem Adobe Reader. Andere PDF-Programme unterstützen meist die Formularfunktionen, wie z. B. Dropdownmenüs nicht. Die programmierten Verknüpfungen funktionieren dann evtl. nicht korrekt.

Grafik Operational Volume
Quelle: EASA

Grundlage für die korrekte Anwendung des SORA-Prozesses ist die Bestimmung des ungeminderten Risikos des Betriebs am Boden und in der Luft (intrinsic ground risk class (GRC), initial air risk class (ARC)). Um diese bestimmen zu können, müssen Sie vorher ermitteln, welche Bereiche am Boden und in der Luft vom geplanten Betrieb betroffen sind.

Zum besseren Verständnis sehen Sie sich bitte das angefügte Bild an. Der Betriebsbereich setzt sich zusammen aus:

  • Flight Geography (Bereich, in dem sie tatsächlich fliegen wollen),
  • Contingency Volume (Bereich, in dem Abweichungen erkannt und Gegenmaßnamen eingeleitet werden können),
  • Ground Risk Buffer (Bereich, in dem die Drohne nach dem Auslösen einer Notfallmaßnahme (z. B. Fallschirm, Notaus) fallen kann).

Flight Geography und Contingency Volume bilden zusammen das Operational Volume.

Bei Bestimmung des Operational Volumes sind Positionsgenauigkeit, Latenzzeiten, Kartengenauigkeit usw. zu beachten. Die geplanten Betriebsbedingungen (Wind, Geschwindigkeit der Drohne usw.) und die Möglichkeiten, Abweichungen festzustellen und darauf reagieren zu können, bestimmen am Ende die Ausmaße des Operational Volumes und den angrenzenden Ground Risk Buffer.

Für die Bestimmung der initial air risk class (ARC) betrachten Sie nur das Operational Volume und gleichen dann ab, welche Lufträume betroffen sind. Es dürfte in der Regel keine Probleme bereiten, die initial ARC genau zu bestimmen, außer Sie operieren an Luftraumgrenzen oder über weite Entfernungen.

Für die Bestimmung der intrinsic ground risk class (GRC) betrachten Sie das Operational Volume und den angrenzenden Ground Risk Buffer und gleichen ab, welche Bereiche (populated ground area, sparsely populated ground area) auf der Karte betroffen sind. Es ist dabei unerheblich, ob beispielsweise nur 1% des Bereiches populated ground area ist und der Rest der Area of Operation über sparsely populated ground area liegt. Es gilt dann bei der Bestimmung der intrinsic ground risk class (GRC) die populated ground area. Die geringe Exposition von nur 1% kann später bei der Anwendung von Risikominimierungsmaßnamen betrachtet werden.

Zudem bestimmt die Area of Operations und die Grenzen zwischen Flight Geography, Contingency Volume und der äußeren Grenze des Contingency Volumes ab wann, welche Maßnahmen (Notfallmaßnahmen, Eingreifen in die Flugsteuerung etc.) greifen. Diese Grenzen müssen im Betriebskonzept klar erläutert werden und jede am Betrieb beteiligte Person muss Kenntnis darüber haben, was beim Überschreiten der Grenzen zu tun ist.

Hinweise

Generelle Begriffsdefinitionen und oft gestellte Fragen finden Sie in den FAQs.

Informationen über Geo-Zonen (LuftVO-Verbote) und die entsprechenden Antragsverfahren, um dort fliegen zu können finden Sie auf unserer Seite Geo-Zonen (LuftVO).

Ansprechpersonen, zu beteiligende Stellen und Hinweise zum Betrieb in Bremen und Bremerhaven finden Sie auf unserer Seite Flugplanung.